
Abschied von einem Wegbereiter
Frankens Weinbauverband trauert um seinen Ehrenpräsidenten Andreas Oestemer und sagt von ganzem Herzen Danke.
von Fränkischer Weinbauverband Quelle Fränkischer Weinbauverband erschienen am 06.02.2026Im Alter von 88 Jahren ist am 19. Dezember 2025 der Ehrenpräsident des Fränkischen Weinbauverbandes, Andreas Oestemer, verstorben. Mit ihm verliert die fränkische Weinwirtschaft eine prägende Persönlichkeit, einen unermüdlichen Streiter für die Belange der Winzerinnen und Winzer. Oestemer war ein leidenschaftlicher Botschafter seiner Heimat. In seiner zwölfjährigen Amtszeit wurden viele Weichen gestellt und Konzepte entwickelt, die bis heute Frankens Erscheinungsbild prägen. Mit seiner Persönlichkeit brachte er alles mit, was diese Rolle brauchte: Er war ein wahrer Brückenbauer, Pionier und Türöffner in die politische Welt.
Oestemer stammte aus einem landwirtschaftlichen Betrieb in Leinach (Landkreis Würzburg). 1997 übernahm er in einer sehr schwierigen Zeit das Amt des Fränkischen Weinbaupräsidenten und führte den Verband bis 2009 mit großem Einsatz. Er verstand es meisterhaft, Franken als klassisches und zugleich modernes Weinbaugebiet zu positionieren – eine Gratwanderung, die er mit diplomatischem Geschick und fachlicher Autorität meisterte. Auf eindrucksvolle Weise vereinte Oestemer alle positiven Eigenschaften einer außergewöhnlichen Führungspersönlichkeit: Er war bienenfleißig, wissbegierig, vielseitig orientiert und zielstrebig.
Unermüdlicher Einsatz für den Weinbau
Dieses Wirken ist von Dauer. Wichtige Meilensteine der Amtszeit Oestemer: die Durchsetzung des BayWeinAföG trotz widriger politischer Rahmenbedingungen, die Sicherung des Bocksbeutelschutzes, das Vier-Säulen-Modell zur nachhaltigen Qualitätsverbesserung und die Kampagne „Silvaner der Frankenwein“.
Als Gründungsmitglied der Marketinggesellschaft für den Bayerischen Tourismus hat Oestemer früh die Bedeutung des Tourismus für die fränkische Weinwirtschaft erkannt. Deshalb hat er das Premiumkonzept „Franken-Wein.Schöner.Land!“ als außergewöhnliches Gemeinschaftskonzept mit dem Tourismusverband Franken, der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau und dem Fränkischen Weinbauverband initiiert und tatkräftig unterstützt. Noch heute präsentiert dieser deutschlandweit einzigartige Premiumführer die Besten in der Region.
Als Netzwerker war Andreas Oestemer nicht nur auf der großen Bühne präsent, sondern hatte auch immer ein offenes Ohr für die Sorgen der Winzerinnen und Winzer. So nahm er regelmäßig – oft in Begleitung seiner Ehefrau Gertrud – an Veranstaltungen der örtlichen Weinbauvereine teil.
Wendig, witzig und widersprüchlich
Über die Grenzen des Weinbaus hinweg war Oestemer kommunalpolitisch stark engagiert. Als langjähriger Bürgermeister von Leinach, stellvertretender Landrat im Landkreis Würzburg und langjähriges Mitglied des Kreistags setzte er sich mit großer Leidenschaft für seine Heimat ein. Seine herausragenden Verdienste wurden vielfach geehrt, unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande (2001), dem Bayerischen Löwen (2003) und dem Bayerischen Verdienstorden (2007). Zudem erhielt er im Jahr 2002 den Frankenwürfel, der an Persönlichkeiten verliehen wird, die „wendig, witzig und widersprüchlich“ sind.
Andreas Oestemer hat den fränkischen Weinbau durch schwierige Zeiten gesteuert und zu neuer Blüte verholfen. Wir sind ihm für sein Wirken zutiefst dankbar. Er wird in unseren Erinnerungen und seinen Taten lebendig bleiben. Unser Mitgefühl gilt seiner Ehefrau Gertrud und seiner Familie.
Fränkischer Weinbauverband









Zu diesem Artikel liegen noch keine Kommentare vor.
Artikel kommentierenSchreiben Sie den ersten Kommentar.